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Geschichte_
Die Dombibliothek Hildesheim ist die älteste Bibliothek
Norddeutschlands und zugleich als einzige aus dem Mittelalter
lebendig überkommen. Sie führt ihre Anfänge auf
die Bistumsgründung 815 zurück und besteht seither
in ununterbrochener Rechts- und Traditionsfolge am Hildesheimer
Domhof. Einige der ältesten Handschriften der Büchersammlung
am Domhof haben sich bis heute im Domschatz erhalten Wir wissen
von Bischof Othwin, der auf einer Italienfahrt 962 eine große
Menge Bücher für seine Hildesheimer Kirche erwarb
und von Thangmar, dem Biographen des heiligen Bernward, der
sich als Hildesheimer „bibliothecarius et notarius“
bezeichnet. Überliefert sind freilich auch die Klagen angesichts
schwerer Bücherverluste bei den Brandkatastrophen am Domhof
1013 und 1046. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert hören
wir von der Verpflichtung der Domkapitulare, anlässlich
Ihrer Aufschwörung auch beträchtlich für die
Bibliothek zu stiften.
Neben der eigentlichen Dombibliothek im Besitz des Domkapitels
wird seit dem 14. Jahrhundert auch eine Bibliothek der Domvikare
in Bucheinträgen fassbar, eine Gruppe die zu Beginn des
17. Jahrhunderts immerhin 40 Kleriker umfasste. Anlässlich
einer Schenkung legten sie für ihre Bibliothek in einer
Urkunde von 1489 eine Ordnung fest.
1681 starb der Pfarrer in Großförste Martin Bever.
Er hatte 1673 eine Stiftung zur Förderung geistlichen Nachwuchses
errichtet. Getrennt verwalteter Teil seiner Stiftung war seine
private Bibliothek und Einkünfte zu ihrem Unterhalt. Er
bestimmte, dass seine Bibliothek unter der Aufsicht des Bischofs
öffentlich vorgehalten werden sollte. Domkapitel und Domvikare
übergaben ihre Bibliothek der Stiftung und sorgten dafür,
dass der gesamte Bestand bis 1684 als „Bibliotheca publica“
zugänglich wurde. In älteren Verzeichnissen wird die
Dombibliothek seither immer wieder auch als Beverinsche Bibliothek
oder Beverina aufgeführt.
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Weniger planmäßig als durch
großzügige Stiftungen und Zuwendungen wurde
die Sammlung der Dombibliothek in den folgender Jahrhunderten
vermehrt. Hervorgehoben werden kann die Stiftung des Kanonikers
Gerhard Fabricius (+ 1688) oder die umfangreiche Nachlassbibliothek
des weitgereisten Domherrn Johann Sigismund von Reuschenberg
(+ 1703) .
Seit der Verstaatlichung des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum
1942 besitzt die Dombibliothek dessen Gymnasialbibliothek, deren
Bestände auf das 1590 begründete Jesuitenkolleg
zurückgehen. Diese Bibliothek umfasst Inkunabeln und Handschriften
ebenso wie eine reiche Sammlung alter Drucke. Der Bestand ist
durch ältere handschriftliche Bandkataloge unzureichend
erschlossen und nur sehr eingeschränkt benutzbar .
Die am Bischöflichen Priesterseminar gepflegte Bibliothek
mit ebenfalls sehr umfangreichen Altbeständen wurde 1973,
die jüngeren Bestände 1998 in die Dombibliothek übernommen.
Durch die wechselvolle Geschichte des Gebäudes des Priesterseminars
wurden in dieser Bibliothek wesentliche Bestände der Hildesheimer
Fraterherren wie der ihnen 1631 bis 1812 nachfolgenden
Kapuziner überliefert.
Durch ihren rechtlichen Status als Teil der Beverschen Stiftung
kam die Bibliothek zwar unbeschadet durch die Säkularisation,
hatte aber unter den Einwirkungen wechselnder Machtverhältnisse
im Dreißigjährigen Krieg, schließlich auch
den Auslagerungen während der Bombenangriffe des Zweiten
Weltkriegs zu leiden. Nach Inflationen und Weltkriegen war das
Vermögen der Beverschen Stiftung aufgezehrt. Ihre Nachfolge
trat zunächst das Bischöfliche Generalvikariat an.
1993 schließlich wurde die Dombibliothek in ein Bischöfliches
Sondervermögen überführt. Ihre im Kirchlichen
Anzeiger veröffentlichte Satzung betont ihren wissenschaftlichen
Auftrag und räumt ihr eigenen Handlungsspielraum als auch
initiativer kirchlich-kultureller Einrichtung ein und begründete
zugleich ihre Perspektive als Forschungsbibliothek. |
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